Vom Paar zur Familie und dann?

Als Verliebte können wir Bäume ausreißen. Die Welt dreht sich nur noch um das gemeinsame neue Wir-Gefühl. Neugierig wollen wir am Leben des anderen teilhaben; können es kaum erwarten sie oder ihn zu sehen. Die Gespräche sind endlos und die Zuhörgeduld ist maßlos. Erotik und Sex sind aufregend – eventuell sogar außerirdisch. Ja, das war das Verliebtsein. Erinnerst Du Dich?

Ernst wird es mit der ersten Weichenstellung: „Haben wir jetzt eine Beziehung?“ lautet die berühmte Frage, die einige Frauen und Männer gerne zum Schwitzen bringt. Jetzt heißt es Farbe zu bekennen. „Ja, ich will Dich als eigenständigen Mensch an meiner Seite im Leben haben“ wäre eine bewußte Liebesantwort. Bedeutet: Das Wir-Gefühl wird aufgebrochen in ein Ich-Du-Gefühl mit Wir-Momenten. 

Im Rausch des Verliebtseins machen wir vielleicht Dinge mit, die eigentlich gegen unseren Charakter verstoßen. In der folgenden Liebesbeziehung ist der Raum da, sich voll und ganz zu zeigen – inklusive Konflikten, die kommen werden. Denn wenn aus einem Wir wieder zwei Ichs werden, dann gibt es Reibungspunkte. Reibung erzeugt Bezeihungsenergie – positive wie negative. Hier legen Sie bereits den Samen dafür, wie Sie als Paar mit Kind agieren werden. Wer schon ohne Kind nicht auf sich und seine Bedürfnisse achten kann, der tut sich mit Kind noch schwerer damit. 

Alles steht Kopf – Kind ist da

Mit der Geburt des ersten Kindes steht Ihr Beziehungsleben auf dem Kopf. Nicht Ihr Partner ist das wichtigste auf der Welt für Sie, sondern das gemeinsame Kind. Es braucht in den ersten 24 Monaten sehr viel Aufmerksamkeit und Liebe von Ihnen – egal ob als Mutter oder Vater. Der Fokus ist beim Kind. Das ist natürlich und gut. Ihre Liebes-Beziehung als Frau und Mann pausiert. Gleichzeitig trägt das stillschweigende Paarsein sie durch das gemeinsame Abenteuer der Familiengründung. 

Gefährlich wird es, wenn Sie als Paar aus dem Schweigen nicht mehr herauskommen. Wenn nur noch die Mutter mit dem Vater spricht und nicht mehr die Frau und der Mann zu Wort kommen. Voraussetzung ist zugleich, dass Sie sich wieder als Frau und Mann wahrnehmen – in der Selbst- und in der Partnerwahrnehmung. 

Gefahr: Entfremdung als Paar

Die Entfremdung als Paar ist sehr oft schleichend. Und es gibt genug Ablenkungen, um das fehlende Paarleben zu kompensieren. Die beliebteste Variante ist das reine Mutter – oder Vatersein im Familienleben. Die Anerkennung als Frau und Mann wird dann in der Arbeit gefunden. Zärtlichkeiten miteinander sind Mangelware; im Bett herrscht Flaute und Sexualität wird outgesourct. Das Internetzeitalter macht es einfach – vom Porno bis hin zum Seitensprung.

Das Erfolgsgeheimnis

Eltern, die in dieser Phase als Paar nicht in die Krise geraten haben ein Erfolgsgeheimnis: Sie haben sich als Frau und Mann nicht aus den Augen verloren. Sie haben trotz Kind oder Kinder, trotz modernem Vereinbarkeitsstress und Optimierungstrends eines nicht vergessen: Die Keimzelle für das herzliche Familienleben und das Meistern aller Herausforderungen ist das Paarsein als Frau und Mann. Und genau das muss gepflegt werden. 

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