Vereinbarkeit: Lasst uns in Ruhe Eltern sein!

Zwei Gründe, warum Eltern und nicht Politiker oder Wirtschaftslenker entscheiden sollten, wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie gelebt wird. Und was wir Eltern unbedingt fordern müssen – damit wir die Hoheit über unser Familienleben zurückgewinnen! Ein Kommentar.

Work-Life-BalanceWieder einmal belegt eine Studievon Allensbach: Deutsche Eltern halten´s konservativ. Bedeutet: Der Mann arbeitet Vollzeit; die Frau in Teilzeit oder gar nicht. Puh, jetzt mühen sich Politik und Wirtschaft seit fast einem Jahrzehnt an vernünftigen Rahmenbedigungen ab – es ändert sich wenig. Woran liegt das?

Meine eigene Erfahrung mit dem Modell „double income – two kids“ sowie meine Gespräche mit meinen Coaching-Klienten zeigen mir: Es ist eine höchst individuelle Entscheidung als Frau, als Mann, als Paar und als Familie. Bei dieser Entscheidung haben weder Politik noch Wirtschaft etwas zu suchen! (Don´t forget: Deren Hauptinteresse sind Produktivität und Wachstum – die zwei tragenden Säulen der meisten Unternehmen.)

1. Grund: Vereinbarkeit ist Frage der inneren Haltung

Wenn wir Mutter oder Vater werden, dann liegt es an uns. In vielen Fällen ist es unser Wille und Liebe, in anderen Fällen unsere Unachtsamkeit und in wenigen Fällen – leider – Zwang oder Gewalt, die uns zu Eltern machen.

Egal, wie wir zu Eltern werden, es stellt sich eine zentrale Frage – das Mantra meines Blogs:

Was für eine Mutter oder was für ein Vater willst Du sein?

Holzschild - Geh deinen Weg!

Von dieser Antwort hängt in meinen Augen alles andere ab. Die Antwort ist sehr persönlich. Teilweise klar – teilweise unklar. Sie ist nicht in Stein gemeißelt, sondern den Veränderungen des Lebens unterworfen.

Du entwickelst Dich weiter und gewinnst in Deinem Leben neue Perspektiven und Erkenntnisse. Du lebst Familie, Patchwork oder bist Alleinerziehend. Du hast Träume, Wünsche und Bedürfnisse. Glaubenssätze aus Deiner Kindheit und Vorbilder (Eltern, Großeltern) steuern bewusst oder unbewusst Deine Sicht der Dinge. Alles Faktoren, die eine Rolle spielen. Was Du machen kannst:

  • Werde Dir Deiner Werte als Mensch bewusst!
  • Woran glaubst Du?
  • Was ist Dir wirklich wichtig – aus dem Herzen?

Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie fußt auf Deiner inneren Haltung. Wenn Du Karriere machen willst, dann wirst Du Entwicklungsschritte Deines Kindes verpassen. Das ist okay, wenn Du dessen bewusst bist. Wenn Du unbewusst bist in diesem Punkt, führt es dazu, dass Du rückblickend sagst: Ich wäre viel lieber für meine Kinder mehr dagewesen.

Nur rückblickend ist zu spät! Also finde heute Deinen bewussten Weg. Zur Zeit mehren sich die Bücher von Müttern und Vätern, die genau dies beklagen – den falschen Weg gegangen zu sein. Diese Bücher sind wertvoll, denn sie machen das Dilemma berufstätiger Eltern transparent.

2. Grund: Es sind unsere Kinder

Kinder sind keine Möbelstücke, die von einer Betreuung zur nächsten geschoben werden. Kinder haben eine Seele. Darauf müssen wir Eltern achten! Und hierdrauf muss unsere Priorität liegen!

Wir Eltern sind verantwortlich für das Wohl unserer Kinder. Das sollten wir niemals outsourcen. Das bedeutet, dass irgendein Kita-Platz nicht ausreicht, sondern er sollte für Dein Kind passen. Damit meine ich nicht die Öffnungszeiten, sondern die Qualität der Betreuung.

Hier gibt es die unterschiedlichsten Modelle. Manche Eltern wollen ihr zweijähriges Kind schon fit machen für den globalen Wettbewerb; andere Eltern wollen unbedingt, dass ihr Kind medienfern im Wald aufwächst. Egal ob blinugale oder Wald-Kita, achte darauf, was Deinem Kind gut tut. Diese Verantwortung hast Du als Mutter oder Vater.

Ich habe selber die Erfahrung gemacht, dass es einer meiner Töchter bei einer Tagesmutter nicht gut ging. Und ich habe – rückblickend – zu lange gezögert, dies zu ändern. Sie musste mir wirklich durch lautes Weinen und Schreien klar machen, dass dies kein guter Platz für sie war.

Ich wollte es nicht sehen, da es für mich und meine Ex-Frau dies ein Umdenken in unserem Karriereleben erforderte. Plötzlich mussten wir unser Modell in Frage stellen. Wir haben es gemacht und unserer Tochter ging es schlagartig wieder gut. Die Lösung war, dass ich mich mit meiner Freiberuflichkeit neu aufgestellt habe, um mehr Zeit für die Kinder zu haben. Also ich „frei“ Teilzeit und meine Ex-Frau „fest“ Vollzeit.

Forderung: Lasst uns in Ruhe Eltern sein

Mein Wunsch an Politik, Wirtschaft und Medienwelt: Lasst uns in Ruhe Eltern-sein! Das bedeutet, schafft vernünftige Rahmenbedingungen:

  1. Angebot an hochwertigen und kindgerechten Betreuungsplätzen
  2. Wertschätzung und Anerkennung des Erzeiherberufes; Jungs brauchen u.a. viel mehr Männer in den Kindergärten!
  3. Flexible Arbeitszeiten und familienfreundliche Führungskulturen in den Firmen – hochglanz Zertifizierungen reichen nicht aus!

Das wollte und musste einmal raus 🙂

Es grüßt herzlichst,

Sascha

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Zwei Mütter reflektieren: Die Alles ist möglich-Lüge: Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind

Zwei Väter packen aus: Geht alles gar nicht: Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können

Nachdenkliches:

Skandinavien wird immer als Vorbild genannt – Jesper Juul erzählt von den Spätfolgen: Wem gehören unsere Kinder? Dem Staat, den Eltern oder sich selbst?: Ansichten zur Frühbetreuung

Wie die Wirtschaft über Stiftungen und Co. Einfluss auf die kindliche Entwicklung nimmt: Die Kindheit ist unantastbar: Warum Eltern ihr Recht auf Erziehung zurückfordern müssen

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