Dr. Sina Brübach-Schlickum: Coworking – im Job und in der Betreuung

Als ich Sina zum ersten Mal traf, war es nachmittags und jenseits der Öffnungszeiten vom Combinat56. Trotzdem zeigte sie mir den gebuchten Coachingraum und erklärte in aller Ruhe, worauf ich achten müsse. Dann war sie wieder weg – bei ihren drei Kids.

Sina_BruebachDas musste ich mir noch einmal vor Augen halten: Drei Kinder, ein Mann, der beruflich sehr eingespannt ist, und dann noch Inhaberin und Geschäftsführerin von Münchens erstem Coworking-Space plus Freiberuflerin in der Marktforschung. Hut ab! Als ich sie einmal fragte, wie sie das mache – sagte sie herzerfrischend: „Ganz intuitiv – irgendwie.“ Wow, Zeit für ein Interview über eine tolle Just-do-it-Mentalität.

Du hast mit dem Combinat56 einen Platz für Coworker geschaffen. Optimal für selbstständige Eltern, die nicht neben dem Laptop den Butterkeks haben wollen. Wie kamst Du auf die Idee?

Als Mutter von drei Kindern und Existenzgründerin im Bereich der Markt- und Sozialforschung kenne ich die Vorzüge und Schattenseiten der selbstbestimmten Arbeit eines Ein-Frau-Unternehmens. Das Bedürfnis nach Abwechslung hing seit zwei Jahren in der Wohnzimmerluft. Das Home-Office drohte in Einsamkeit und Haushaltsersatzleistungen zu versinken; Wertschätzung und der nötige Platz fehlten und ich hatte nie „Feierabend“. Büroraum musste her. Flexibel nutzbar, günstig, mit geringem Mietrisiko und gemeinschaftsorientiert sollte er sein. Ein Einzelbüro kam nicht in Frage. Die Überraschung: in München gab es noch keinen Coworking-Space, der genau das alles bietet.

Also hast Du einfach mal gegründet – quasi ein viertes Kind geboren?

Ja, Marktlücke erkannt und Dank Faible für Zahlen und Lebensmotto: „Wer nicht kann, der will nicht“ wurde der 1. Coworking-Space in München schnell in Angriff genommen – das Combinat 56, das am 1. Mai 2010, am Tag der Arbeit, seinen Betrieb aufnahm.

[Tweet „#Vereinbarkeit: 3 Kinder, 2 Jobs und 1 Wille“]

Wie bekommst Du Kids und Geschäftsführung unter den Hut?

Dank der Betreuungsplätze für meine Kinder. Nur auf diese Weise ist man als Mutter imstande das alles zu leisten. Mit einem Jahr sind meine Kinder jeweils in die Kinderkrippe gegangen. Ich bin ein Kind des Ostens und hatte mit dieser Entscheidung kein moralisches Problem. Der Kindergarten war auch gleich um die Ecke und mit viel Glück habe ich für alle drei einen Hortplatz bekommen. Dennoch muss ich oft jonglieren, gerade am Nachmittag, wenn ein Kunde kommt, aber gleichzeitig der Fußballverein auf meinen Sohn wartet oder die Hausaufgaben noch nicht fertig sind. Irgendwie geht aber doch immer alles gut aus. Da profitiere ich sehr von unserer tollen Nachbarschaft. Wir unterstützen uns gegenseitig, was zur Streikzeit gerade wieder sehr wichtig war.

Teamwork auch zu Hause – wie unterstützt Dich Dein Mann?

Mein Mann ist beruflich sehr eingespannt, da wusste ich von Anfang an, worauf ich mich einlasse. Im Grunde manage ich meine Jobs und die Kids, und wenn ich mal Zeit benötige, weil ich einen Termin habe oder irgendwo hin muss, dann springt er ein. Er hat mich aber beim Aufbau des Combinats sehr unterstützt und ist nach wie vor für das Grobe dort zuständig.

Jammernde West-Mütter versus praktische Ost-Mütter – was sagst Du zu dem Klischee?

Puh, das ist weit hergeholt und sicher nicht mehr so, wie es vielleicht vor 20 Jahren mal war. In meinem Umfeld leben ganz viele West-Powerfrauen, die ebenfalls viel leisten, anpacken und nicht rumjammern.

Wie sieht für Dich die Zukunft der Arbeit für berufstätige Eltern aus?

Es sollte nicht mehr darauf ankommen, wer abends am längsten am Schreibtisch sitzt. Flexible Arbeitszeiten für beide Elternteile müssen her und mehr Vertrauen in die Leistung und nicht in erbrachte Präsenzzeiten.

Liebe Sina, herzlichen Dank für das Gespräch mit Dir!

Es grüßt,

Sascha