Silke Mekat: „Die Jobs bekamen dann leider Männer“

Silke Mekat aus München traf ich das Erstemal auf XING an. In Ihrem Profil bot sie Vereinbarkeitsberatung an. Ich war damals neu auf diesem Feld unterwegs; also trafen wir uns auf einen Kaffee in der Innenstadt. Das ist nun schon Jahre her. Inzwischen hat sie ein Buch geschrieben, welches Personaler unterstützt, Mütter als Fachkräfte an das Unternehmen zu binden – im positiven Sinne.

Silke Mekat

Silke Mekat

Wie bist Du zu dem Thema Vereinbarkeit gekommen?

Mit Mitte 30, und nachdem ich berufsbegleitend an der TU München Betriebswirtschaft studiert hatte, habe ich mich bei mehreren Verlagen als Vertriebsleiterin beworben. In den Vorstellungsgesprächen wurde ich immer wieder gefragt, was denn passiert, wenn ich Mutter werde. Da betraf mich zum ersten Mal selber dieses Thema. Die Jobs bekamen dann leider Männer. Und nach meiner Elternzeit bot mir mein Arbeitgeber nur eine Vollzeitstelle an. Mit einem Halbtagesplatz in einer Kinderkrippe ließ sich das nicht vereinbaren.

Was hast Du dann gemacht?

Ich habe mir ungefähr ein Jahr lang Gedanken gemacht, wie es denn für mich beruflich weitergehen soll. Am Ende stand fest, dass ich Erfolg nicht nach Stufen der Karriereleiter, die ich erreicht habe, definieren möchte. Nach verschiedenen Fortbildungen in positiver Psychologie und nach der Geburt meiner Tochter habe ich mich von einem Gründungscoach beraten lassen. Barbara Maurer von den Marketingarchitekten in Vaterstetten sah 2012, dass das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie großes Potential hat. Und dass es sehr gut zu meinem Lebenslauf passen würde.

Waren die Unternehmen schon bereit für dieses Thema?

Die ersten Unternehmen, denen ich mein Konzept vorstellte, reagierten ablehnend. Dabei blieb es nicht, schon wenige Monate später wurde aus Ablehnung Interesse. Und der inzwischen überall spürbare Fachkräftemangel rückte das Thema Vereinbarkeit zuerst ins öffentliche Interesse und bald zusätzlich in die Chefetagen.

Wie ging es weiter?

Mein Weg führte über die Beratung von Unternehmen zum Thema Mitarbeiterbindung durch familienbewusste Personalpolitik und Vereinbarkeit von Beruf und Familie wieder zu meinen Wurzeln in der Psychologie. Heute arbeite ich vor allem als Trainerin der Haufe Akademie und Beraterin. Aufgrund meiner Erfahrungen aus der Wirtschaft und aus den verschiedenen psychologischen Fortbildungen kann ich meinen Seminarteilnehmern und Kunden ganz neue Sichtweisen eröffnen. Dabei ist es mir wichtig, individuelle Lösungen gemeinsam zu finden.

Was sind die größten Hürden in der Vereinbarkeit?

Meiner Erfahrung nach gibt es fünf Hindernisse:

  1. Mangelnde Unterstützung im Unternehmen und privat.
  2. Eine ungeeignete Betreuung, denn nur wenn ich mein Kind gut aufgehoben weiß, habe ich den Kopf auch wirklich frei.
  3. Eine schlechte Vorbereitung auf das was nach der Rückkehr in den Job auf einen selber und auf die Familie zukommt. Hier sind der Austausch der Partner untereinander wichtig, aber auch, dass man sich über ganz alltägliche Dinge, wie zum Beispiel Fahrzeiten, Gedanken macht.
  4. Je länger die Auszeit vom Beruf dauerte, um so größer werden die Selbstzweifel und Zweifel an der eigenen Kompetenz.
  5. Wer wieder zu arbeiten beginnt, der muss sich darüber klar sein, dass Feierabend nicht dasselbe bedeutet wie früher. Jetzt beginnt für die meisten der zweite Job – Kinderbetreuung und Haushalt. Für Einige auch der dritte, wenn Eltern pflegebedürftig sind. Hier gilt es, die eigenen Kräfte einzuteilen und Unterstützung zu suchen und einzufordern.

Du trainierst Frauen zum Thema Vereinbarkeit. Was bewegt die Frauen und Mütter am meisten?

Ganz häufig sind es Missverständnisse, manchmal nur Kleinigkeiten, die unserem Wohlgefühl im Weg stehen. Viele versuchen in reduzierter Arbeitszeit zu leisten, was vorher eine Vollzeitstelle war. Sprüche von Kollegen, wenn man den Nachmittag „frei“ hat, zehren, aber auch unklare Absprachen in den Familien. Generell nehmen sich die meisten zu wenig Zeit, um selber wieder Kraft zu tanken, für Sport oder ein Treffen mit der Freundin.

Meiner Erfahrung nach scheitern Frauen gerne an den eigenen Erwartungen. Ist das so?

Die Ansprüche an sich selber sind oft ein Thema – das reicht von Kuchen für den Kindergarten, die wahre Kunstwerke sind, oder dem Anspruch, an allen Ecken mehr als 100 Prozent zu geben. Der alltägliche Kampf darum, die eigenen Berufsziele mit den unterschiedlichen Bedürfnissen der Familienmitglieder unter einen Hut zu bringen, erfordert viel Planung und oftmals Improvisation. Es gibt hohe Anforderungen an die Kommunikations- und Konfliktfähigkeit der Lebenspartner. Stress ist dann quasi die Diskrepanz zwischen den beruflichen und privaten Anforderungen und den eigenen Bewältigungsmöglichkeiten. Oder anders gesagt: Am Ende der Energie sind meist zu viel Arbeit übrig und zu viele Kinder noch wach.

Du unterstützt Unternehmen dabei, hochqualifizierte Frauen zu halten. Woran hapert es?

Häufig fehlen Konzepte, Mitarbeiterinnen während der Elternzeit an das Unternehmen zu binden. Die meisten Frauen kehren nach der Elternzeit mit reduzierter Stundenzahl zurück an den Arbeitsplatz. Durch die Öffnungszeiten von Kitas, besonders aber der frühe Schulschluss, die Anforderungen in der Schule und die Bedingungen am Arbeitsmarkt sind Vollzeitjobs meist schlicht unmöglich. Teilzeitjobs genießen im Vergleich jedoch eine geringere Akzeptanz. Wer „nur“ Teilzeit arbeitet, dem wird unterstellt, keine Karriereambitionen zu haben. Meetings finden ganz häufig immer noch außerhalb der Kinderbetreuungszeiten statt und in vielen Unternehmen geht weiterhin Präsenz vor Leistung. Hier setzt erst langsam ein Umdenken ein.
 
Dein Buch hat viele Checklisten für Personaler. Lässt sich so ein emotionales Thema in Checklisten behandeln?

Die Checklisten unterstützen dabei, sich Gedanken zu machen, was auf einen zukommt und was er oder sie möchte. Ebenso finden Arbeitgeber und Vorgesetzte Unterstützung dabei, gute Mitarbeiter zu halten und zu unterstützen. Gerade bei einem so emotionalen Thema bieten Checklisten und das strukturierte Vorgehen den Rahmen, Entscheidungen treffen zu können. Darüber kommt man ins Gespräch und kann so manche Hürde umschiffen.

Liebe Silke, zum Schluss meine Lieblingsfrage: Was ist für Dich Mutterglück?

Was ist Mutterglück? Ein schwieriges Wort. Jeder definiert Glück für sich selber. Geht es mir gut, geht es auch meiner Tochter gut und andersherum. Eine selbstbewusste Mutter, die neben der Familie einen Beruf meistert und damit glücklich ist, kann nur gut für ihr Kind sein. In jedem Fall besser als eine Frau, die ihr Leben lang verpassten Chancen nachtrauert. Ich finde, es ist wichtig, bewusst Zeit miteinander zu verbringen. Sich Gedanken zu machen, wie man die gemeinsame Zeit gestalten will. Für mich persönlich ist Glück, wenn meine Tochter mir nach der Schule in die Arme fliegt, wenn nur Mama ihre Tränen trösten kann und sie mir ihre vielen großen und kleinen Geheimnisse erzählt. Wenn meine „Große“ mit dem Schulchor bei der Weihnachtsfeier auftritt, den ersten Skitag allein gemeistert hat und ich sehe, dass sie ihren Weg geht.

Liebe Silke, herzlichen Dank für Deine An- und Einsichten.

Es grüßt herzlichst,

Sascha

PS: Hier geht es zu dem Angebot von Silke Mekat.

Praxisbuch für Personalabteilungen

Elternzeit, Elterngeld plus und beruflicher Wiedereinstieg – inkl. Arbeitshilfen online

Frau&Mutter

Inhalte:

  • Alle Fakten zum neuen Elternzeit-Gesetz.
  • Vier-Stufen-Konzept: So planen Unternehmen für die Elternzeit.
  • Modelle und Unterstützungsmaßnahmen für den Wiedereinstieg.
  • Kosten sparen, Fachkräfte binden, Kundenbeziehungen sichern.

Arbeitshilfen online:

  • Gesprächsleitfäden für Personaler.
  • Material zur Vorbereitung des Wiedereinstiegs für Mitarbeiter.