Rabenmutter oder faul im Job?

Von Frauen wird im Job und als Mutter viel gefordert – in den Medien, in Ratgeberbüchern, von Familie und Freunden. Statt sich im Außen verrückt machen zu lassen, beruhigt der Blick ins Innere.

Beruf & Familie: Rabenmutter oder faul im Job?

Wo scheint die Sonne? In der Karriere, in der Familie oder auf beiden Seiten?

Anfang 2016 erschien in der ZEIT ein Interview mit vier Politikern über das Thema Vereinbarkeit von Politik und Familie. Ein vielsagender Auszug:

„Als Ursula von der Leyen Familienministerin war, wurde sie in Interviews oft gefragt, ob sie genügend Zeit für ihre Kinder habe. Wenn sie dann von der Familie erzählte, hieß es sofort: Aha, sie vernachlässigt ihre Arbeit als Ministerin! Sie konnte nur zwischen zwei Fehlern entscheiden: Rabenmutter oder faul im Job.“

In diesem Dilemma befinden sich viele Mütter – immer noch. Ich erlebe es selber bei meinen Beratungen und Veranstaltungen: Frauen sind häufig deutlich mehr in innerer Zer­ris­sen­heit rund um das Thema Beruf und Familie. Manchmal sogar am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Achtung: Ja, hier schreibt ein Mann und Vater über Frauen und Mütter. Geht das überhaupt? Neulich wurde ich auf einer Veranstaltung begrüßt mit „Jetzt kommt auch noch ein Mann und will mir sagen, wie das Muttersein und Karrieremachen unter einen Hut zu bekommen ist.“ Nach der Veranstaltung bedankte sie sich mit den Worten „Das war eine ganz andere Perspektive zu dem Thema, als ich es sonst höre.“

Da fragt man(n) sich, was bekommen Frauen zu hören? Wenn Männer ihre Kinder wickeln, dann jault die Republik vor Freude über den fortschrittlichen Mann. Wenn Frauen Karriere machen wollen, dann gibt es den Rabenmutter-Vorwurf. Bitte liebe Mütter, lasst die Medien und eure Umwelt sagen was sie wollen. Lasst es ins linke Ohr rein kommen und ohne Pause gleich wieder zum rechten Ohr raustreten. Zieht euch keine wie auch immer geartete Vereinbarkeitsschuhe an, die wer auch immer euch hinstellt. Beantwortet einfach für euch individuell nur eine Frage:

Was für eine Mutter möchte ich sein?

Wenn Dein Muttersein für Dich stimmig ist und es den Kindern gut geht, dann ist alles okay!

„Lektion Nummer eins für alle Eltern: Wenn andere Menschen Ihnen erzählen, dass Sie etwas falsch machen, hören Sie nicht darauf – niemals. Das gilt auch für alles, was Sie in Büchern lesen und für meine Antworten. Wenn Sie sich wohlfühlen mit dem, was Sie tun und dadurch keine destruktiven Konflikte mit Ihrem Partner entstehen, machen Sie einfach mit gutem Gewissen weiter.“ (Jesper Juul auf Spiegel Online)

Spannend, er spricht von destruktiven Konflikten mit dem Partner und nicht mir den Kindern. Und das ist genau der Punkt. Wenn ihr als Paar euch wohlfühlt in der Art und Weise, wie ihr Familienleben und Job vereinbart, dann wird es eurem Kind generell gut gehen. Wieso? Weil ihr klar seid!

Hier ist der Knackpunkt zwischen Frauen und Männern. Während Männer oft nur zwischen ihrer Rolle im Job und in der Familie hin- und herpendeln, erlebe ich bei Frauen in den Beratungsgesprächen oft viel mehr innere Konflikte:

  • Bin ich eine gute Mutter?
  • Mache ich einen guten Job und Karriere?
  • Bin ich noch sexy für meinen Partner?
  • Habe ich den Haushalt im Griff?

Die renommierte Scheidungsanwältin Helene Klar sagte 2016 im SZ Magazin:

„Der häufigste Scheidungsgrund ist das zweite Kind. Mit einem Kind lässt sich der Status noch aufrechterhalten. Mit dem zweiten Kind tritt der permanente Ausnahmezustand ein. (…) Ich bin überzeugt, dass die 40-Stunden-Woche viel dazu beiträgt, dass die Menschen unzufrieden sind. Man kann nicht 40 Stunden arbeiten und daneben einen Haushalt führen und die Kinder unterhalten.“

Soweit muss es nicht kommen. Gleichwohl macht es bewusst, Vereinbarkeit beginnt in der Partnerschaft. Hier liegt der Schlüssel für ein tragfähiges Modell von Beruf und Familie – höchst individuell, also bei Dir und Deinem Partner!

Es grüßt herzlichst,

Sascha

PS: Übrigens gilt für mich genauso, dass es einen Prototyp des modernen Vaters nicht gibt

Lesetipp: Frau & Mutter von Jesper Juul

Ein solidarischer Essay aus der Perspektive eines Mannes von Jesper Juul

Frau&Mutter „Wenn Sie eine Frau sind, hoffe ich, dass Sie meine Fürsorge und Wertschätzung hinter dem spüren können, was Sie vielleicht als harte oder kritische Aussagen wahrnehmen. Wenn Sie ein Mann sind, ermutige ich Sie, einen ernsthaften Blick auf Ihre eigene Rolle zu werfen und den Einfluss zu sehen, den Sie als Sohn, Liebhaber, Partner und Elternteil haben.“

Jesper Juul

Bestellbar im familylab shop