Hilfe, meine Kinder machen nicht so mit, wie ich will!

Kindlicher BoykottUm neun ist die wichtige Besprechung im Büro und die Kids boykottieren das Anziehen. Berufstätige Eltern kennen solche Szenerien.

Wenn man Pech hat, kommt man so schon gestresst im Job an, bevor dort der Tag überhaupt begonnen hat. Puh, muss das so sein? Leider manchmal ja!

Wieso das denn, magst Du Dich fragen. Nun, Kinder lassen sich nicht via Zeitmanagement, Excel-Tabellen oder Checklisten planen. Aber Kinder wachen auch nicht morgens auf und sagen sich: „Heute mache ich meine Eltern mal so richtig fertig!“ Das ist nicht die Intention eines Kindes!

Kinder haben ein Dilemma

Kinder können noch nicht klar und reflektiert ihre Gefühle äußern. By the way: Viele Erwachsenen können das auch nicht, obwohl sie es gerne von  Kindern oder Partnern erwarten. Und Kinder lieben uns Eltern; ebenso möchten sie  von uns Anerkennung und Liebe bekommen. Dafür verbiegen sich Kinder teilweise soweit, dass es für sie nicht mehr gesund ist. Wenn das Fass am Überlaufen ist, machen sie durch ihr Verhalten darauf aufmerksam.

Zentrale Fragen an uns Eltern

Für mich ist die Herausforderung, bei „chronischen“ Stressmomenten mit den Kindern – sei es der morgendliche Aufbruch oder das abendliche Zu-Bett-Gehen – genau hinzusehen und -zuhören.

  • Was ist los im Leben meines Kindes?
  • Welche Emotionen und Gefühle hat mein Kind?
  • Was läuft aus Sicht meines Kindes schief?
  • Was kann ich, mein Partner, die Erzieher, Lehrer oder sonstige Bezugspersonen ändern, damit mein Kind das „schwierige“ Verhalten nicht mehr braucht?

Die Fragen kann keine Mutter oder kein Vater alleine beantworten. Ich empfehle, mit den wichtigen Bindungspersonen Deines Kindes darüber zu sprechen, wie sie das Kind wahrnehmen. Und Dein Kind kann gerne bei den Gesprächen dabei sein, wenn es sich dadurch nicht unter Druck gesetzt fühlt. Dann hört und fühlt Dein Kind, dass Du auf der Suche nach einer Lösung bist – die genau hier beginnt! Wenn das Kind alt genug ist, dann kann man es auch selbst fragen: „Ich sehe, dass du morgens beim Anziehen wütend und traurig wirst. Ich möchte dir gerne helfen; ich weiß aber nicht wie. Kannst du mir einen Tipp geben, was du brauchst?“

Dein Kind braucht Zeit für die Antwort. Also baue keinen Druck auf, sondern warte ab, ob es von sich aus in den nächsten Tagen mit einer Antwort kommt. Frage ruhig noch einmal nach, falls das nicht der Fall sein sollte. Deine Grundhaltung sollte liebevoll, vorwurfsfrei und emphatisch sein.

Also nicht: „Wegen deinem morgendlichen Terror bin ich fix und foxy und kann nicht richtig arbeiten.“ So wird dem Kind die Verantwortung für die elterliche  Gefühlswelt übergeben. Das ist für ein Kind nicht tragbar. Wir Eltern sind für unsere Gefühle und Lebensentwürfe selbst verantwortlich.

Die Lösung

Die Lösung bei Kindern, die  nicht kooperieren, lautet also:

WIR können die Lebenssituation der Kinder ändern, damit SIE wieder freudig sein können.

Das ist unbequem, denn es bedeutet, dass wir uns unser elterliches Verhalten – z.B. den morgendlichen Druck, den wir aufbauen – bewusst machen müssen. Die zentrale Frage lautet an mich als Mutter oder Vater: Was kann ich verändern, damit mein Kind nicht mehr schwierig sein muss?

Ups, das klingt nach Selbstreflexion und Übernahme von Verantwortung. Ja, das ist es. Das ist unsere elterliche Verantwortung – egal ob berufstätig oder nicht! Und Karriere-Eltern können sich fragen: „Was ist mir im Moment wichtiger: Meine Karriere oder das Familienleben?“ – und sich diese Frage wirklich ehrlich beantworten. Manchmal klappt beides – super! Manchmal fliegt es uns um die Ohren. Wichtig ist die persönliche Klarheit in Bezug auf diese Frage und der Umgang mit den Konsequenzen. Die Verantwortung können wir nicht an unsere Kinder delegieren.

Herzlichst,

Sascha

Fazit

Alles was ein Kind macht, macht Sinn! Auch, wenn wir als Eltern das Verhalten als schwierig empfinden. Wir erkennen den Sinn nicht immer. Und hier liegt unsere elterliche Aufgabe – auf Sinnsuche zu gehen und Lösungen zu finden.