Job und Kind: Wie klappt das für Väter?

„Meiner Erfahrung nach sind die Väter am zufriedensten und haben das beste Verhältnis zu ihren Kindern, die sich darüber im Klaren sind, dass sie ein Mann, ein Partner und ein Vater sind – und zwar in dieser Reihenfolge!“

ElternEs ist mein Lieblingszitat von Jesper Juul zu dem Thema Vatersein! Denn es bringt auf den Punkt, um was es geht: Wir sollten als Mann und Vater einfach authentisch sein. Ups, das ist potentiell gefährlich. Ich selbst wurde im Interview mit der Zeitschrift Eltern (01/2015) zum Thema „Job und Kind: Wie klappt das für Väter?“ als „beinharter Macho-Knochen“ vorgestellt. Natürlich sollte die Provokation als Leseranreiz wirken, zugleich sind meine Antworten nicht so weichgespült gewesen, wie sie häufig in Väter-Ratgebern zu finden sind.

Als Vater stehst Du heute unter medialer Beobachtung. Es vergeht kaum eine Woche, wo nicht über Dich als neuer Vater geschrieben wird und auch die Väterblogs sprießen im Internet – für wahr nicht so üppig wie die ganzen Blogs über das Mamasein. Jeder nach seiner Facon …

Wo es klemmt bei der Vereinbarkeit für Väter

Meine Erfahrung in der Karriereberatung zeigt, dass viele dieser Tipps und Tricks für die neuen Väter einfach absolut praxisfern sind. Die Arbeitgeber sind nicht darauf vorbereitet und haben auch selten ein großes Interesse daran, das Vatersein zu unterstützen – aller Hochglanzbroschüren zum Trotz, die die Personalabteilungen drucken lassen, um junge Fachkräfte an sich zu binden.

Das hat für mich zwei zentrale Gründe:

1. Vereinbarkeit von Karriere und Vatersein hängt maßgeblich am good will des Vorgesetzten ab. Väter, die einen Chef haben, der selber gerade Vater geworden ist, berichten über viel mehr Verständnis für familiäre Fragen, als Väter, die einen Chef vor sich haben, der nur auf die Karriere schaut oder noch von der alten Schule ist. (Davon gibt es noch verdammt viele!) In den meisten Unternehmenskulturen bedeutet Teilzeit für Männer weiterhin den Karrieretod. Siehe hierzu auch Interview: Angst vor dem Karrieretod besteht weiter

2. Nicht jeder junge Vater möchte auf seine Karriere verzichten. Viele finden es am Anfang auch ganz nett, die Familie darin zu unterstützen, den Lebensunterhalt zu sichern. Provokantes und gleichzeitig lebensnahes Zitat aus dem Eltern-Interview:
„Ich weiß nicht, wie viele Baby-Mütter wirklich glücklich wären, wenn ihr Mann sagen würde: Okay, ich bleibe mehr zu Hause – aber wir müssen leider aus dieser schönen Stadtwohnung raus.“

Was also tun?

Interview Eltern

Eltern (01/2015)

Tief durchatmen und dem eigenen Männerherz folgen! Konkret:

  • Was für ein Vater möchte ich sein?
  • Ermöglicht mein Job, dass ich der Vater sein kann, der ich sein will? Wenn nein, was kann ich ändern?
  • Wie wichtig ist mir die Bindung zu meinem Kind? Wie kann ich diese Bindung jenseits der Mutter aufbauen und pflegen?
  • Höre ich auf meine innere Stimme oder eher auf die Wünsche meiner Partnerin und meines Chefs?

Weitere Impulse gibt es im Interview mit Eltern „Väter schauen zu sehr, was andere erwarten“.

Es grüßt herzlichst,

Sascha

PS: Nachtrag – Interview mit Süddeutsche.de

Zentraler Tipp von Jesper Juul

1. Sei Mann!

2. Sei Partner!

3. Sei Vater!

GENAU in dieser Reihenfolge …