Kids & Firma: Gelebte Gleichberechtigung bei Familie Knebel

Lara und Christian Knebel sind ein Team – zu Hause und im Job. Christian Knebel gehört publicplan, ein Softwarehaus mit Sitz in Düsseldorf und Berlin. Er ist Geschäftsführer; sie leitet Personal, Marketing und PR. Ihr Erfolgsfaktor für die gelebte Vereinbarkeit ist Kommunikation und Abstimmung am Küchentisch. Mehr dazu und wie ihre Mitarbeiter davon profitieren, erzählen sie im Interview.

Ihr habt zwei Kinder und arbeitet gemeinsam in einer Firma. Wie bekommt ihr das unter einen Hut?

Dr. Christian Knebel

Dr. Christian Knebel, Geschäftsführer bei publicplan

Christian: Wir haben eine KiTa für beide Kinder (zum Glück die gleiche) und Großeltern am Ort. Wir versuchen die Kinder so zeitig wie es unser Morgenablauf zulässt in die KiTa zu bringen und dann müssen wir – besonders aber meine Frau – die Zeit bis 15 Uhr optimal ausnutzen, denn dann muss sie los die Kinder abholen. Zugegebenermaßen arbeiten wir in der Regel abends noch ein wenig, wenn die Kinder schlafen.

Lara: Ja, wir sind den Großeltern wirklich dankbar, denn wenn es doch mal knapp wird können Sie im Normalfall schnell einspringen. Auch können wir, wenn mal alle Stricke reißen die Kinder mit ins Büro nehmen und dank unseres neuen „Teamraums“ unserer Arbeit nachgehen.

Was sind die größten Herausforderungen?

Christian: Tage an denen die KiTa geschlossen hat zwingen meine Frau oder mich, zu Hause zu bleiben. Wir versuchen das gerecht aufzuteilen, was aber nicht immer so gut klappt.

Lara Knebel

Lara Knebel, Personal, Marketing & PR bei publicplan

Lara: Bei Krankheiten ist es ähnlich. An den Tagen, an denen alles glatt läuft, müssen wir aber unsere beiden Terminkalender sehr gut miteinander abstimmen. Das ist die größte Herausforderung im Alltag.

Wie löst ihr diese als Mutter und Vater oder als Personalverantwortliche und Geschäftsführer?

Christian: Abstimmung jeden Tag; am Wochenende wird die Woche vorbesprochen – immer mit dem Kalender auf dem Handy. Täglich dann die kleinen Dinge und Reminder, damit wir nichts vergessen.

Lara: Das passt ganz gut. Mein Mann und ich nutzen abends die Gelegenheit um über strategische Entscheidungen nachzudenken. Da mein Mann Geschäftsführer ist, kann ich meine Ideen durch kürzere Entscheidungswege schnell verwirklichen. Das wäre in großen Unternehmen aufgrund der langen Entscheidungswege nicht der Fall.

Familienfreundlichkeit ist bei euch ja in der Unternehmens-DNA drin. Was bietet ihr euren Mitarbeitern?

Christian: Wir haben einige Mitarbeiter in ähnlichen Situationen wie wir. Da bieten wir die notwendige Flexibilität in den Arbeitszeiten. Außerdem haben wir alle Notebooks, damit wir theoretisch von überall arbeiten können und Homeoffice möglich wird. Ist es mal ganz knapp, darf man bei uns auch seine Kinder mitbringen. Die Kollegen kümmern sich rührend um die Kinder und versorgen sie mit Snacks und Süßigkeiten. Bei den jüngeren Kollegen sprechen wir frühzeitig das Thema Elternzeit an und versuchen alle Projekte darauf abzustimmen, was nicht immer leicht ist bei einer kleinen Firma. Doch bisher hat das immer geklappt!

Lara: Um aber auch in Zukunft besser auf Familien eingehen zu können werden wir uns weitere Ideen von anderen Unternehmen einholen und versuchen diese auf uns zu adaptieren. Bald sind unsere Kinder im Schulalter und dann haben wir sicherlich die Schulferien als neue Herausforderung.

Was wird gut angenommen und was war bisher ein Flop?

Christian: Angenommen werden alle Dinge gut. Aus Firmensicht müssen wir aber sagen, dass regelmäßiges Homeoffice nicht zu unserer teamorientieren Arbeitsweise passt. Wir müssen da schauen, dass es die Ausnahme bleibt. Wir haben aber das Gefühl, dass es unseren Eltern auch gut tut, nicht zu Hause zu arbeiten und die Kollegen zu treffen.

Lara: Da kann ich meinem Mann nur zustimmen. Homeoffice ist immer schwer bei Teamarbeit. Ich habe damals als Leitung Vertrieb im Homeoffice gearbeitet und muss gestehen, dass ich das Büroleben und das Miteinander sein sehr schätze und vermisst habe. Wir haben aber vor kurzem beschlossen, dass gerade solche Entscheidungen – ob Homeoffice oder nicht, wann Urlaub und wann Arbeitszeit ist – die Teams unter sich ausmachen. Wir haben die Rahmenbedingungen festgelegt und nun die Verantwortung dafür in die Teams gegeben. Letztendlich ist jedes Team für die Erreichung der Ziele alleinverantwortlich. Diese Umstellung wurde sehr gut angenommen.

Was glaubt ihr, wie wird sich die Arbeitswelt für berufstätige Eltern innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre wandeln?

Christian: Die Flexibilität in der Arbeit, die vor allem durch den Einsatz moderner IT ermöglicht wird, schafft für Eltern viel Freiheit. Derzeit wird das ja sehr kontrovers diskutiert, weil viele meinen man kann dann nicht mehr richtig abschalten. Für Eltern stellt sich das anders dar. Außerdem wird sich aufgrund des Fachkräftemangels die Einstellung gegenüber Eltern – besonders Müttern – ändern. Firmen werden Wege suchen, die notwendige Flexibilität zu schaffen, um diese wertvollen Arbeitskräfte im eigenen Haus zu halten.

Lara:  Auch werden wir uns verstärkt dem Thema Teilzeitkräfte widmen. Denn gerade Mütter haben vor ihrem „Mama-Dasein“ eine berufliche Karriere angestrebt bzw. ein Level erreicht und können – so unsere Überzeugung aus eigener Erfahrung – einen sehr großen Mehrwert für unser Unternehmen bieten.

Liebe Lara, lieber Christian, danke für das offene Gespräch.

Es grüß herzlichst,

Sascha