Gedanken über das Artigsein

„Jetzt seid aber endlich artige Kinder!“ Dieser Aufruf hallte über den Hinterhof – eine Mutter kurz vor dem Rande des Nervenzusammenbruchs. Puh, dachte ich, was heißt eigentlich artig sein?

Pippi

Der Grundgedanke ist doch, dass das Kind einer Art entsprechen sollte. Nur wer oder was gibt die Art vor? Da gibt es mehrere Mitspieler: Du selbst mit Deinen Vorstellungen, Dein Partner, die Gesellschaft in Form von Regeln, Ratgeberbüchern und Checklisten – bis hin zur Benotung in der Schule.

Wenn wir Eltern uns artige Kinder wünschen, dann wollen wir eigentlich, dass sie das machen, was wir wollen.

Kinder sind artig, wenn sie

  • am Tisch sitzen bleiben, bis alle aufgegessen haben.
  • den Fernseher selber ausmachen.
  • ihr Zimmer aus eigenem Antrieb aufräumen – einfach so.
  • spüren, dass ich keine Zeit für sie habe und mich daher nicht nerven.
  • sich freuen und lachen, weil ich gerade glücklich bin.
  • Hausaufgaben als das Größte im Leben ansehen.
  • das Geschwisterkind toll finden – immer.
  • den Kussmund von Oma zur Begrüßung klasse finden.
  • einfach mal so sind, wie ich es mir wünsche und brauche.

Puh, da hat kein Kind Bock drauf – Gott sei Dank!

Zugleich wir Eltern wünschen uns das manchmal so. Was nun? Wenn Du Dir artige Kinder wünschst, dann hast Du als Mutter oder Vater ein Bedürfnis. Formuliere dieses klar und deutlich. Also statt „Jetzt seid aber endlich artige Kinder!“ könnte der Satz lauten „Ich will, das jetzt Ruhe ist, denn das Geschrei nervt mich!“

Oder noch ehrlicher: „Ich will, dass Du jetzt machst, was ich sage!“ Wenn das dann nicht eintritt, ist ein Konflikt da zwischen Deinem Wollen und dem Willen Deines Kindes. Dein Kind verlässt dadurch jedoch nicht die Kinder-Art, d.h. wird nicht unartig.

Ich erlebe es häufig, dass Eltern Konflikte vermeiden wollen – so ein Quatsch!

Leben besteht aus Konflikten; Konflikte sind der Nährboden für Kreativität, neue Wege und Entwicklung. Also rein in den Konflikt – nur bitte mit Klarheit über Deine Bedürfnisse und Wünsche. Diese dann klar in persönlicher Sprache äußern – also mit „Ich will …“ oder „Ich will nicht …“.

Herzliche Grüße

Sascha

PS: Wie sehen eigentlich artige Eltern aus?