Ganzheitliche Karriereplanung: Was Dich beeinflusst

Selbsterkenntnis ist Voraussetzung für die eigene Selbstentfaltung. Die Beschäftigung mit sich selbst verlangt Zeit und Energie — es lohnt sich jedoch allemal!

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Ganzheitliche Karriereplanung: Was Dich beeinflusst

Frühkindliche Erfahrungen haben großen Einfluss auf unsere Entwicklung. In der Transaktionsanalyse wird von der Bildung eines Lebensskriptes gesprochen, welches uns begleitet und steuert. Verkürzt ist das Skript eine Art Lebensdrehbuch, welches in der Kindheit unter dem Einfluss der Eltern und weiterer wichtiger Bezugspersonen wie Großeltern, Geschwister gebildet wird. Das Skript beeinflusst unser Denken, Fühlen und Handeln in wichtigen Aspekten unseres Lebens. Die Entscheidung, einen Job zu wechseln oder nicht, ist oft ein solch gravierender Aspekt.

Das Skript bildet sich hauptsächlich in den Lebensjahren von null bis sieben heraus. Hier entwickeln Kinder eine Überlebensstrategie für ihren Umgang mit der Umwelt — insbesondere innerhalb der Herkunftsfamilie. Ein Säugling ist auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen der Mutter ausgeliefert, ansonsten wird er verhungern. Also hat die Natur ihm das Babylächeln mitgegeben. Er lächelt und aktiviert somit die Muttergefühle und -instinkte.

Ein Kleinkind und Kind passt sich weiter an seine Umgebung an. Es entwickelt instinktartig Verhaltensstrategien, die ihm die Liebe der Eltern sichern. Unter diesem Gesichtspunkt ist es absoluter Quatsch, einem Jungen zu sagen: „Indianer kennen keinen Schmerz!“ Was wird er machen? Zähne zusammenbeißen und durchhalten, damit Papa ihn weiter lieb hat. Daraus kann sich ein Glaubenssatz bilden, der lautet: „Zeig niemals deine Gefühle!“ oder einfach: „Sei stark!“

Was Dich antreibt!

In der Transaktionsanalyse sind dies sogenannte Antreiber. Sie sind wesentlicher Bestandteil eines Lebensskriptes. Antreiber sind verinnerlichte Anweisungen, denen wir unbewusst fast zwanghaft folgen. Typische Antreiber sind:

  • Sei der Beste!
  • Beeil dich!
  • Sei perfekt!
  • Arbeite hart!
  • Streng dich an!
  • Mach es anderen recht!
  • Sei stark!

Für uns als Kind waren die Antreiber überlebensnotwendig. Das Dilemma ist nur, dass sie sich fest in unser Unterbewusstsein verankert haben. Und so wird unser heutiges Verhalten häufig noch von Antreibern gesteuert, die wir rational nicht greifen können. In der Kindheit waren sie wichtig für das gefühlte Überleben, heute können sie unsere Entwicklung bremsen.

Buch: Ganzheitliche Karriereplanung

14,80 EUR

Der Text ist ein Ausschnitt aus dem ersten Kapitel des Ratgebers „Ganzheitliche Karriereplanung. Ein Leben in Balance“ Insgesamt besteht das Buch aus 12 Kapiteln – von der Profilschärfung über Vorstellungsgespräch und Gehaltsverhandlung bis hin zu den ersten 100 Tagen im neuen Job und der Life-Balance.

 

 

Beispiel

Herr Klein war ein erfolgreicher Techniker in einem Maschinenbauunternehmen. Als er zum Abteilungsleiter befördert wurde, hatte er seine Arbeitszeiten nicht mehr im Griff. Aus einer 40- bis 50-Stunden-Woche als Facharbeiter wurde eine 60- bis 70-Stunden-Woche als Manager. Er war verwundert darüber, dass seine bisher genutzten Zeitmanagement-Fähigkeiten nicht mehr funktionierten. Er merkte selbst, dass ihm der Job als Führungskraft entglitt.

Im Coaching-Gespräch erzählte Herr Klein von seiner Kindheit. Er war ein Einzelkind. Seine Eltern waren beide berufstätig, sein Vater reiste viel und lange. Seine Mutter arbeitete als Krankenschwester im Schichtdienst. In der Erinnerung wurde ihm bewusst, dass er die schönen Momente des gemeinsamen Familienlebens nie stören wollte mit eigenen Bedürfnissen. Wenn er alles mitmachte, was sein Vater und seine Mutter wollten, dann herrschte Frieden und Harmonie. Wörtlich sagte er: „Ich machte es ihnen immer recht, damit kein Streit aufkam. Dafür war mir die Zeit mit meinem Vater zu kostbar.“

„Mach es anderen recht!“ — Dieser Antreiber aus der Kindheit lenkte immer noch den erwachsenen Techniker im Um- gang mit seinen Mitarbeitern. Diese Erkenntnis war der erste Lösungsschritt. Herr Klein vergegenwärtigte sich, dass er im Job nicht seine Familie um sich hat. Der Antreiber war hier fehl am Platz. Dies war die Initialzündung für sein neues Rollenverständnis als Führungskraft. Mit diesem Bewusstsein gelang es Herrn Klein, seine Arbeitszeit wieder zu regulieren.

Wechselwirkung Deines Lebensweges mit Deiner Karriere

Viele Wirkungen sind unbewusst. Schule Deine Selbstwahrnehmung und beobachten Dein Verhaltensmuster im Job. Was wiederholt sich? Was treibt Dich zu Höchstleistungen? Hinterfragen Deine Antreiber. 

Beispiel: Sind die Geldprämien für Topleistungen Deine Motivation oder das Gefühl, es allen gezeigt zu haben? Je nach Antwort gehe einen Schritt weiter: Wozu ist Dir das Geld oder das Gefühl der Überlegenheit wichtig? So kannst Du immer tiefer den dahinter liegenden Impulsen auf die Spur kommen.

Wichtig ist, dass Du unterscheidest: Es gibt Verhaltensmuster, die sind mehr als okay. Sie fördern Deine Karriere und Dein Wohlbefinden. Hier mußt Du nicht nachdenken. Kritisch wird es, wenn Du spürst, dass Du Dir mit Deinem Verhalten wiederholt selbst im Weg stehst. Das können zum Beispiel unangemessene Reaktionen bei Kritik sein oder Du wählst immer den gleichen Typus Chef, der Dich nicht fördert.

Ein weiterer Indikator ist Dein Denken und Deine Gefühlslage. Minderwertigkeitsgefühle, die aus einem Gedanken wie „Die Präsentation schaffe ich nicht!“ oder „Keiner mag mich hier wirklich“ entstehen, wären so ein Indikator. Das gilt genauso für Überlegenheitsdenken wie „Ich allein manage das Unter- nehmen!“ oder „Alle unter mir sind dumm“. Menschen mit Überlegenheitsdenken neigen nicht unbedingt zur Selbstreflexion. Dazu kommt, dass ihr Verhalten auf Basis dieser Grundeinstellung häufig karriereförderlich ist. In Unternehmen, die keinen Wert auf soziale Kompetenz legen, haben diese Kandidaten eine optimale Spielwiese. Umso stärker setzt das Erwachen ein, wenn diese Strategie nicht weiterführt.

Spurensuche nach biographischen Einflüssen

Zuerst lohnt es sich, in die eigene Kindheit zu schauen. Beachte dabei, dass Du manches nicht mehr wissen kannst oder verdrängt hast. Rede mit Zeugen Deine Kindheit. Das sind Mutter und Vater, die Großeltern, Tanten und Onkel, Geschwister, Freunde der Familie und so weiter. Es hilft ungemein, im Gespräch einfach nur zuzuhören. Oft wird das Wesentliche in einem Nebensatz oder nach einer Periode des gemeinsamen Schweigens gesagt.

Wirst Du nicht fündig, dann wechsle in die zweite Ebene. Hier geht es um eine generationsübergreifende Sicht. Man kann auch von einem Familienbewusstsein sprechen, das Auswirkungen auf viele Lebensbereiche hat. Psychotherapeut Dr. Bertold Ulsamer hat in seinem Buch „Der Apfelfaktor“ zahlreiche Beispiele dokumentiert, wie die Herkunftsfamilie den beruflichen Erfolg beeinflusst. Neugieriges Fragen aus echtem Interesse ist der Schlüssel zu vielen Geschichten und Erlebnissen aus der Familie, die helfen, sich selbst besser zu verstehen.

Das Gute ist, Du kannst hinderliche Einflüsse durch unterschiedliche Methoden auflösen. Das reicht von alleiniger Selbstreflexion und Coaching über Familienstellen bis hin zur klassischen Therapie. Wichtig ist, dass Du erst einmal weißt, was und wie es Dich „behindert“. Denn: Nur Einflüssen, derer Du Dir bewusst bist, kannst Du aufmerksam begegnen und loslassen.

Anregungen zur Selbstreflexion

  • Vergegenwärtige Dir zentrale Erlebnisse in Deiner Kindheit. Wie hast Du die Herausforderungen gemeistert?
  • Welche Verhaltensmuster erkennst Du bei Dir?
  • Beschreibe Deine Eltern. Was haben sie Dir häufig gesagt, welchen Rat für das Leben haben sie Dir mitgegeben?

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Buch: Ganzheitliche KarriereplanungDer Ratgeber „Ganzheitliche Karriereplanung. Ein Leben in Balance“ richtet sich an Menschen mit beruflichen Veränderungswünschen. Er beschreibt alle Schritte von der Entscheidung für oder gegen einen Wechsel über die Suche nach einem neuen Berufsziel, die Profilschärfung bis hin zum Modellieren einer ausgewogenen Work-Life-Balance – inkl. Anregeungen zur Selbstreflexion.

Das Buch ist im Dezember 2015 in der 2. überarbeiteten Auflage erschienen im Gerhard-Hess-Verlag (ISBN 978-3-87336-546-9) und kostet EUR 14,80.