Zwei Väter packen aus: Geht alles gar nicht

Marc Brost und Heinrich Wefing sind zwei vielbeschäftigte ZEIT-Redakteure und im Nebenjob Papa sowie Ehemann. Das ist zuviel für sie.

Geht_gar_nichtAlso haben sie das gemacht, was Journalisten gerne machen. Sie haben ein Buch geschrieben. Aus Männersicht. Aus Vätersicht. Aus Sicht karrierebewusster Journalisten in der Rush-Hour ihres Lebens. Ihr Fazit steht auf dem Buchtitel: Geht alles gar nicht. Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können

Impuls für das Buch war der ZEIT-Artikel der beiden aus dem Jahr 2014. Tenor: Dass sich Kinder und Karriere vereinbaren lassen, ist eine Lüge. Zeit für mehr Ehrlichkeit. Schon der Artikel hat polarisiert. Das Buch wird es auch tun. Und das wollen die beiden.

Das Buch liest sich leicht – wie ein gutes Dossier der ZEIT

Für mich ist es ein mutiges Buch. Wieso? Weil sich hier zwei Männer und Väter outen und sagen: „Hey, bei uns klappt das nicht!“ Es ist eine persönliche Bestandsaufnahme. Es ist ein Blick in den Alltag karrierebewusster Männer, die alles wollen und es nicht schaffen. Es ist die Selbstreflexion zweier Kerle, die zugeben, dass sie auf dem Bolzplatz am Wochenende bereits an das Meeting am Montag denken. Damit der Chef bekommt, was er will. Damit die Karriere weiterläuft. Damit sie im Job funktionieren.

Beiden Autoren ist es bewusst, dass sie auf hohem Niveau „jammern“. Es geht ihnen finanziell gut; die Kids sind gesund; sie arbeiten in einer Branche, die mit Laptop und Co. hohe Flexibilität zulässt; sie gehören zur gehobenen Mittelschicht in Deutschland. Also zu den Familie, die Zeit haben (und ZEIT lesen), um sich selbst zu reflektieren und die sich auch optimeren wollen. Vielleicht liegt ja hier der Hase im Pfeffer?

Im Buch gibt es dazu natürlich eine scharfzüngige Analyse, wieso der Kapitalismus ansich und die Vereinbarkeitslügner in Wirtschaft und Politik uns das Familienleben erschweren. Aber es gibt auch die Momente, wo die beiden Autoren sagen, dass es an ihnen selbst liegt. Das sind die Momente, für die sich das Buch wirklich lohnt.

Die eigenen Erwartungen und Wünche an sich selbst und an das Familienleben sind konfrontiert mit der Karriere. Mit dem Chef, der gerne am Samstag den Montag plant. Den Smartphones dieser Welt, die man zwar ausmachen kann, aber nicht ausmacht.

Das Dilemma

Heinrich Wefing brachte das Dilemma auf der Buchpräsentation in Berlin auf den Punkt. Wir müssen uns entscheiden: Karriere wie bisher oder Familie. Mehr Familie bedeutet für mich als Mann eventuell weniger Karriere, denn das Jobumfeld mit alten Chefs und der Globalisiserung wartet nicht auf den deutschen Teilzeitmann.

Ich denke, hier hat er recht. Vor der Entscheidung sollte man(n) sich allerdings ehrlich die Antworten auf folgende zwei Fragen geben:

  1. Was für ein Vater will ich sein?
  2. Was für eine Karriere will ich machen?

Wer bei der Antwortfindung Hilfe braucht, für den habe ich einen Lesetipp: Neue Väter – neue Karrieren. Dies ist für Dich die optimale Fortsetzung für das Geht-alles-gar-nicht-Buch von Marc Brost und Heinrich Wefing.

Es grüßt herzlichst,

Sascha

Buchtipp: Geht alles gar nicht von Marc Brost und Heinrich Wefing

Das Buch ist interessant für

  • karrierebewusste Väter, die sich überfordert fühlen.
  • Frauen, die die männliche Sicht kennenlernen wollen.
  • Lobbyisten rund um Beruf & Familie, die sich aufregen wollen.