Plädoyer gegen Methoden in der Führung

Die Wünsche von Führungskräften sind meist eindeutig: Wie schaffe ich es, dass meine Mitarbeiter mir folgen? Wie gehe ich mit Störern um? Wie kann ich mein Team motivieren? Wie führe ich ein schwieriges Gespräch? Wie vermeide oder löse ich Konflikte? 

Dahinter steckt die Aufforderung: „Gib mir den Werkzeugkasten, die Toolbox, die neue amerikanische Management-Methode, mit der ich meine Mitarbeiter in den Griff bekomme.“ Kurz: „Schenk’ mir den Zauberstab, der alles regelt.“

Eine Führungskraft erzählte mir neulich von ihrer Weiterbildung bei einem großen Anbieter: Flug nach Berlin, Seminar im Airport-Hotel, zwei Tage Weiterbildung mit über hundert PowerPoint-Charts. Der Clou: Für jedes Problem aus dem Führungsalltag gab es eine Methode, die es löst. Danach Rückflug nach München und – leider – leadership business as usual. Rückwirkend hätte die Führungskraft auch ein BWL-Lehrbuch zum Thema Führung lesen können, das wäre mit gleicher Wirkung deutlich günstiger gewesen.

Wo kommt der Hang her, sich mit Methoden berieseln zu lassen beziehungsweise in Methoden ein Allheilmittel zu sehen?

Chefs, Business-Coachs und -Trainer scheinen Methoden als Lösungsversprechen zu lieben. Das Verlockende an Methoden ist, dass sie eine Subjekt-Objekt-Beziehung voraussetzen. Das Subjekt (Ich, der Chef) hat eine Methode für das Objekt (Du, der Mitarbeiter) und mit dieser Methode macht er das Subjekt dann passend. Bildlich gesprochen: Sein Hammer schafft es, den Nagel in die Wand zu klopfen. Nur, was macht er, wenn der Nagel eine Schraube ist? Auch das ist angeblich kein Problem, dafür gibt es ja den Führungswerkzeugkasten: einfach den Hammer mit dem Schraubenzieher tauschen. Die Grundhaltung lautet: Das Werkzeug wird es schon richten.

Doch was ist, wenn die Methode nicht funktioniert?

Eigentlich ist es offensichtlich. Kein Mitarbeiter will ein Nagel oder eine Schraube sein. Niemand möchte als Objekt angesehen werden, das per Knopfdruck optimiert werden kann. Zumal längst der aufgeklärte und mündige Bürger in den Unternehmen sitzt, der Chefverhalten und Führungsstil kritisch hinterfragt. Die Basis der Werkzeugkästen – die Subjekt-Objekt-Haltung – hat damit ausgedient. Wer heute führen, begeistern und motivieren will, der muss seine Haltung ändern: Als Subjekt (Ich, der Chef) stehe ich nicht über einem Objekt, sondern habe eine Beziehung zu einem anderen Subjekt (Dir, meinem Mitarbeiter).

Wie es anders geht inkl. einem Fallbeispiel findest Du im meinem Beitrag für managerSeminare Heft Mai 2017 (PDF).

Es grüßt herzlichst

Sascha